Nachhaltigkeit wird häufig auf CO₂-Emissionen reduziert. Doch eine echte Bewertung berücksichtigt mehr: Biodiversität, Ressourcenverbrauch, Energieeinsatz und Lebenszyklen. Eine aktuelle Studie des Öko-Instituts Freiburg liefert hierzu interessante Impulse und ungeahnte Ergebnisse.
Was die neue LCA-Studie zeigt
Die im November 2025 veröffentlichte Lebenszyklusanalyse kommt zu einem klaren Ergebnis: Printwerbung verursacht je nach Format bis zu fünfmal weniger CO₂ als digitale Alternativen.
Ein wichtiger Grund dafür:
- Print wird im Durchschnitt von zwei Personen genutzt, bleibt länger im Umlauf und erzeugt damit eine höhere Wirkung pro produzierter Einheit.
- Digitale Anzeigen werden in der Regel nur einmal genutzt, erzeugen aber jedes Mal neue Emissionen durch Übertragung, Serverbetrieb und Endgeräte.
Die Studie macht deutlich: Digital ist nicht automatisch klimafreundlicher.
Quelle: Öko-Institut Freiburg, „Vergleichende Bewertung des Treibhausgaspotenzials von Printwerbung im Vergleich zu Online-Werbung“, November 2025.
CO₂ ist nicht alles: Der Ressourcenblick muss breiter werden: Eine reine Emissionsbetrachtung greift zu kurz.
Print benötigt Holz – ein nachwachsender, aber ökologisch relevanter Rohstoff. Auch zertifizierte Forstwirtschaft hat Auswirkungen auf Flächenverbrauch und Biodiversität.
Digital hingegen ist abhängig von:
- seltenen Erden und Metallen in Endgeräten
- energieintensiven Rechenzentren
- wachsender Rechenleistung, insbesondere durch KI-Anwendungen
Der Einsatz von KI wird diese Entwicklungen weiter verstärken. Energie- und Wasserverbrauch der nötigen Infrastrukturen stehen zunehmend im Fokus – zurecht. Denn gerade KI-Anwendungen sind extrem energieintensiv und die auf Hochtouren laufenden Rechenzentren benötigen große Menge an Wasser, um die Server zu kühlen.
Maß halten statt polarisieren
Die Diskussion „Print oder Digital“ führt in die falsche Richtung. Nachhaltigkeit entsteht dort, wo Maßnahmen bewusst geplant und Ressourcen verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Unser Ansatz:
- nicht verteufeln
- nicht pauschalisieren
- sondern Maß halten und differenziert entscheiden
Print und digitale Kanäle können sinnvoll koexistieren – wenn sie strategisch eingesetzt werden.
Was verantwortungsvolle Kommunikation ausmacht
- Medien entlang ihrer Stärken und Zielgruppen auswählen
- Überproduktion vermeiden – sowohl im Druck als auch im Digitalen
- Verantwortungsvoll produzieren
- Ressourcenverbrauch transparent berücksichtigen
- KI und digitale Tools kritisch hinterfragen und effizient nutzen
- Wirkungsstarke Printformate dort einsetzen, wo sie ihre Stärken ausspielen
- Digitale Maßnahmen so gestalten, dass sie möglichst energieeffizient sind
So entsteht ein Kommunikationsmix, der messbar wirkt – und gleichzeitig verantwortungsbewusst mit Ressourcen umgeht.
Fazit
Die Studie zeigt: Print ist klimatisch besser als oft angenommen – und bleibt ein relevanter Bestandteil nachhaltiger Kommunikation.
Gleichzeitig gilt: Nachhaltigkeit endet nicht beim CO₂-Wert. Holzverbrauch, Biodiversität, Energiebedarf und technologische Entwicklungen gehören genauso zur Gesamtbetrachtung.
Mit einer Haltung, die auf Augenmaß und Achtsamkeit setzt, lassen sich Print und Digital sinnvoll miteinander verbinden – und viele Maßnahmen verantwortungsvoll umsetzen.